Pflegebedürftigkeit, Begriff nach SGB XI

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Pflegebedürftig im Sinne der sozialen Pflegeversicherung sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.


Krankheiten oder Behinderungen in diesem Sinne sind:

1.   Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat,

2.   Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane,

3.   Störungen des Zentralnervensystems wie Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen 
     sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen.

Inhaltsverzeichnis

Arten der Hilfeleistung

Die Hilfe im Sinne der Pflegebedürftigkeit gegenüber den Pflegebedürftigen besteht in der Unterstützung, in der teilweisen oder vollständigen Übernahme der Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens oder in Beaufsichtigung oder Anleitung mit dem Ziel der eigenständigen Übernahme dieser Verrichtungen.

Verrichtungen der Pflege

Gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen im Sinne der Pflegebedürftigkeit sind:

1.   im Bereich der Körperpflege das Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, 
     Rasieren, die Darm- oder Blasenentleerung,

2.   im Bereich der Ernährung das mundgerechte Zubereiten oder die Aufnahme der Nahrung,

3.   im Bereich der Mobilität das selbständige Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, An- und 
     Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder das Verlassen und Wiederaufsuchen der
     Wohnung,

4.   im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung das Einkaufen, Kochen, Reinigen der
     Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung oder das Beheizen.

(sinngemäß nach § 14 SGB 11)


Stufen der Pflegebedürftigkeit

Für die Gewährung von Leistungen nach dem SGB 11 werden pflegebedürftige Personen einer der folgenden drei Pflegestufen zugeordnet:

1. Pflegebedürftige der Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige) sind Personen, die bei
   der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus
   einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich
   mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.

2. Pflegebedürftige der Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftige) sind Personen, die bei
   der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu
   verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei
   der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.

3. Pflegebedürftige der Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftige) sind Personen, die bei
   der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täglich rund um die Uhr, auch nachts, der
   Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen
   Versorgung benötigen.

Bei Kindern ist für die Zuordnung der zusätzliche Hilfebedarf gegenüber einem gesunden gleichaltrigen Kind maßgebend.

Mindestpflegezeiten

Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muß wöchentlich im Tagesdurchschnitt

1. in der Pflegestufe I mindestens 90 Minuten betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mehr
   als 45 Minuten entfallen,

2. in der Pflegestufe II mindestens drei Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege
   mindestens zwei Stunden entfallen,

3. in der Pflegestufe III mindestens fünf Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege
   mindestens vier Stunden entfallen.

(sinngemäß nach § 15 SGB 11)


Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit


Die Pflegekassen haben durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung prüfen zu lassen, ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind und welche Stufe der Pflegebedürftigkeit vorliegt. Im Rahmen dieser Prüfungen hat der Medizinische Dienst durch eine Untersuchung des Antragstellers die Einschränkungen bei den Verrichtungen im Sinne der Pflegebedürftigkeit festzustellen sowie Art, Umfang und voraussichtliche Dauer der Hilfebedürftigkeit zu ermitteln.

Der Medizinische Dienst hat den Versicherten in seinem Wohnbereich zu untersuchen. Erteilt der Versicherte dazu nicht sein Einverständnis, kann die Pflegekasse die beantragten Leistungen verweigern. Die Untersuchung im Wohnbereich des Pflegebedürftigen kann ausnahmsweise unterbleiben, wenn auf Grund einer eindeutigen Aktenlage das Ergebnis der medizinischen Untersuchung bereits feststeht. Die Untersuchung ist in angemessenen Zeitabständen zu wiederholen.

Befindet sich der Antragsteller im Krankenhaus oder einer stationären Rehabilitationseinrichtung und liegen Hinweise vor, dass zur Sicherstellung der ambulanten oder stationären Weiterversorgung und Betreuung eine Begutachtung in der Einrichtung erforderlich ist, ist die Begutachtung dort unverzüglich, spätestens innerhalb einer Woche nach Eingang des Antrags bei der zuständigen Pflegekasse durchzuführen; die Frist kann durch regionale Vereinbarungen verkürzt werden.

Der Medizinische Dienst soll, soweit der Versicherte einwilligt, die behandelnden Ärzte des Versicherten, insbesondere die Hausärzte, in die Begutachtung einbeziehen und ärztliche Auskünfte und Unterlagen über die für die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit wichtigen Vorerkrankungen sowie Art, Umfang und Dauer der Hilfebedürftigkeit einholen. Mit Einverständnis des Versicherten sollen auch pflegende Angehörige oder sonstige Personen oder Dienste, die an der Pflege des Versicherten beteiligt sind, befragt werden.

Die Pflege- und Krankenkassen sowie die Leistungserbringer sind verpflichtet, dem Medizinischen Dienst die für die Begutachtung erforderlichen Unterlagen vorzulegen und Auskünfte zu erteilen.

Der Medizinische Dienst hat der Pflegekasse das Ergebnis seiner Prüfung mitzuteilen und Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, Art und Umfang von Pflegeleistungen sowie einen individuellen Pflegeplan zu empfehlen. Beantragt der Pflegebedürftige Pflegegeld, hat sich die Stellungnahme auch darauf zu erstrecken, ob die häusliche Pflege in geeigneter Weise sichergestellt ist.

Die Aufgaben des Medizinischen Dienstes werden durch Ärzte in enger Zusammenarbeit mit Pflegefachkräften und anderen geeigneten Fachkräften wahrgenommen. Der Medizinische Dienst ist befugt, den Pflegefachkräften oder sonstigen geeigneten Fachkräften, die nicht dem Medizinischen Dienst angehören, die für deren jeweilige Beteiligung erforderlichen personenbezogenen Daten zu übermitteln.

(sinngemäß nach § 18 SGB 11)

Ergänzende Themen

Pflegegeld nach § 37 SGB IX

Weblinks

SGB XI Inhalt

Begutachtungsrichtlinien

Leistungsrechtliches Rundschreiben zum PflegeVG

Persönliche Werkzeuge